Interview mit dem syrischen Flüchtling Khaled Otba – #schalfürsleben

Es ist Donnerstag, die Sonne scheint von einem strahlendblauen Himmel, ich kann heute früher Schluss machen, fahre also schon eine Stunde früher als sonst mit dem Zug nach Hause und bin unglaublich aufgeregt. Denn heute treffe ich einen Menschen aus einer Gruppierung, über die in diesen Tagen viel geredet wird, aber in den seltensten Fällen mit ihnen.

Neben mir auf dem Platz liegt meine Tasche. Darin befindet sich ein Schal fürs Leben, den ich selbst gestrickt habe, und typisch deutsche Lebkuchen. Während der Zug Richtung Peißenberg fährt, denke ich an die Person, die ich gleich treffen werde. An seinen Weg nach Peißenberg, meinem Wohnort. Daran, dass er nicht so wie ich bequem mit dem Zug fahren konnte, keinen vollen Magen hatte und keine wärmende Kleidung. Daran, dass er nicht wusste, was ihn erwartet, er der Sprache nicht mächtig war, dass keiner auf ihn wartete. Daran, dass hinter ihm eine Welt voller Krieg lag.

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Ich denke an Kaled Otba, einem jungen Mann aus Syrien, der vor anderthalb Jahren aus Aleppo geflohen ist und heute mit seinem Bruder in Peißenberg lebt. Wie es ihm geht, werde ich ihn fragen, was er vermisst und ob er stricken könne. Ich notiere mir diese Fragen und möchte von meinen Facebook Fans wissen, ob sie auch welche haben.

Am Bahnhof angekommen erwartet mich Lisa. Sie ist Lehrerin und arbeitet für die Flüchtlingshilfe im Bayerischen Oberland.

Lisa fährt mich in Ihrem Wagen. Die Sitze sind ganz weit nach vorn eingestellt, denn vor kurzem musste sie noch ein Fahrrad transportieren. Ich schiebe den Sitz zurück und denke an das, was mich erwartet. Noch immer bin ich aufgeregt. Ich bin froh, dass Lisa dabei ist. Sie  hat angeboten, dass Khaled und ich uns in den offiziellen Räumen des Unterstützerkreises treffen. Doch Khaled wollte mich zu sich einladen: in den Gemeinschaftsraum seiner neuen Bleibe.

Es beschäftigt mich, dass ich nicht weiß, wie ich auf die Geschichte des jungen Syrers reagieren werde. Ich bin dicht am Wasser gebaut, gehe nie ohne Taschentücher ins Kino. Was wird passieren, wenn ich gleich hautnah mit einer Geschichte konfrontiert werde, einer Geschichte über eine Flucht, eine Geschichte über Gewalt, über menschenunwürdige Bedingungen? Ich weiß es nicht. Dass es auch eine Erzählung über Dankbarkeit wird, weiß ich zu diesem Zeitpunkt in Lisas Auto noch nicht.

Vor einigen Wochen wurde Khaleds Aufenthaltsgenehmigung bestätigt – endlich!  Das war der Startschuss für ein wieder aufblühendes Leben: Weg aus der Flüchtlingsunterkunft, rein in die Selbstständigkeit. Oder zumindest schon mal ein ganzes Stück weiter.

Wir erreichen das Haus am Ende einer kleinen Straße, wo Khaled jetzt wohnt. Hier sind nicht mehr ganz so viele Straßenlaternen, es ist ein wenig dunkel. Khaled wohnt mit mehreren, anerkannten Flüchtlingen zusammen in diesem Haus. Überwiegend junge Männer wie er und eine Familie. Der Markt Peißenberg hat die Räume angemietet, um einer Obdachlosigkeit vorzubeugen. Denn die jungen Männer müssen sich, nachdem sie anerkannt sind, schnellstmöglich um eine Unterkunft bemühen.

Lisa und ich steigen das kleine Treppenhaus hinauf. Die Holzstufen knarzen ein bisschen, ich fühle mich an mein altes Studentenwohnheim erinnert, die Aufregung steigt, dann stehen wir  vor der Wohnungstür. Wir klingeln. Khaleb öffnet uns die Tür, im Gesicht ein breites Grinsen.

Herzlich willkommen!

Ich kann nicht anders, grinse auch, merke, wie sich die Aufregung löst und betrete nach einer kurzen Begrüßung den Flur der Wohnung. Wir gehen in den Gemeinschaftsraum. Sofort fällt mir die traditionelle Holz-Eckbank auf, wie ich sie von meiner Oma kenne, mein Blick wandert weiter über den modernen Kühlschrank mit kleinem Display bis hin zu den Fliesen aus den 70ern und einem Herd – noch mit richtigen Herdplatten.

Khaled setzt einen arabischen Kaffee auf, eine wohltuende Wärme an so einem kalten Abend. Ich nehme einen Schluck und genieße die Aromen, die mich an einen Chai erinnern. Ich entspanne noch mehr, und wir fangen an zu reden.

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Hallo Kahled, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst. Kannst Du Dich kurz vorstellen?

Hallo, mein Name ist Khaled Otbar, ich bin 24 Jahre alt und komme aus Syrien.

Seit wann lebst Du in Deutschland?

Ich komme direkt aus der Stadt Aleppo. Seit ca 16 oder 17 Monaten wohne ich nun in Deutschland. Ich weiß es nicht mehr so genau.

Warst Du von Anfang an in Peißenberg?

Ich war zuerst in Ingolstadt. Dort blieb ich einen Monat. Dann sind wir in die Sporthalle nach Schongau gezogen. Dort war ich dann acht Monate. Und seitdem wohne ich in Peißenberg.

Was hast Du gemacht, als Du noch in Syrien warst? Bist Du zur Uni gegangen oder hast du gearbeitet?

Ich war in Aleppo an der Universität und habe dort Chemie studiert. Leider habe ich mein Studium vor der Flucht noch nicht abgeschlossen. Ich bräuchte noch ein Jahr, damit ich fertig bin.

Ich staune ein wenig, denn Khaleds Leben vor dem Krieg klingt genauso wie das, das ich während meines Studiums hatte: Uni, lernen, Spaß haben mit Freunden.

Kannst Du die Prüfung in Deutschland beenden? Weißt Du, ob Deine Kurse aus Syrien hier angerechnet werden?

Keine Ahnung. Ich muss erst einmal den Deutschkurs der Stufe B2 beenden. Dann habe ich die Chance.

Wann hast Du den Entschluss gefasst zu fliehen?

Ich war eines Tages an der Uni. Die Armee in Syrien hat ein paar meiner Freunde festgenommen und getötet. Sie haben für Freiheit demonstriert und wurden dafür bestraft. Junge Menschen haben in Syrien nur zwei Möglichkeiten: Entweder zu Daesh (ISIS) oder zur Armee. Im Grunde sind die beide gleich. Sie sind sehr schlimm. Diese Erfahrung nahm mein Vater zum Anlass zu sagen: Flieh! Fahr nach Deutschland oder in ein anderes sicheres Land.

Das war für mich sehr schwer. Ich habe viele Freunde und alle sind in die Türkei, nach Jordanien oder in den Libanon geflohen. In der Uni hat sich das Bild geändert. Dort studieren jetzt fast nur noch Frauen und ganz wenig Männer.

Das Problem ist: Wenn Du der einzige Sohn in Deiner Familie bist, dann lässt Dich die Armee in Ruhe. Dann musst Du da nicht hin. Alle Männer, die jetzt in Syrien noch sind, sind allein. Sie sind die einzigen Söhne.

Es gibt keine Zukunft in Syrien.

Mich erinnert seine Erzählung an die Bücher und Filme, die ich über die Geschwister Scholl gelesen habe. Proteste, Kämpfen für das Gute, die Freiheit. Und am Ende werden diese mutigen Menschen hingerichtet.

Hast Du noch mehr Geschwister?

Ich habe einen Bruder in Syrien. Er ist verheiratet und kann leider nicht fliehen. Sobald er das Haus verlässt wird er von der Armee oder von Daesh mitgenommen. Nur seine Frau kann die Wohnung verlassen. Es ist sogar so schlimm, dass beispielsweise der Friseur zu ihm in die Wohnung kommen muss.

Ich stelle mir vor wie das sein muss: Du kannst die Wohnung nicht verlassen, da Du sonst zwischen Pest und Cholera wählen musst.

Ich habe noch eine Schwester in der Türkei. Und zwei meiner Brüder leben in Deutschland. Einer hier bei mir und der andere in München bei meinen Eltern. Dieser Bruder hat auch eine Frau und eine Tochter, die leider noch in Aleppo leben. Sie können leider nicht fliehen.

Wie haltet Ihr Kontakt? Sprecht Ihr einmal die Woche?

Mit meiner Schwester in der Türkei und meiner Familie in Deutschland spreche ich jeden Tag. Mit meinem Bruder in Syrien geht das leider nicht. Leider ist die Netzverbindung und das Internet in Aleppo ein großes Problem. Daher kann ich mit ihm leider nicht jeden Tag sprechen.

Wie bist Du nach Deutschland gekommen?

Mein Bruder und ich sind zuerst in die Türkei geflohen. Dort waren wir 15 Tage. Von dort aus sind wir über die Balkanroute nach Deutschland gekommen. In einem kleinen, nur sieben Meter langem Boot. 45 Menschen. Einige von uns wollten noch Gepäck oder Kleidung mitnehmen. Doch von uns konnte keiner schwimmen. Wenn wir auch noch Kleidung mitgenommen hätte, wäre die Gefahr zu ertrinken, noch größer gewesen.

Schlimm war es in der Slowakei und in Ungarn. Dort wurden wir wie Unmenschen behandelt und gequält. Ich war sehr froh, als wir Österreich erreichten. Die Menschen dort waren gut zu uns und wir haben uns sehr gefreut dann die Grenze nach Deutschland zu erreichen. Unserem Ziel.

Meine Eltern wurden in der Zwischenzeit von der Armee festgehalten. Sie haben sie befragt, wo wir geblieben sind. Mein Vater hat dann gelogen und gesagt, dass wir in der Universität sind. Mein Vater und meine Mutter mussten dann einen Monat lang im Gefängnis. Mein Vater ist 61 – das war sehr schlimm!

Nun sind sie zum Glück in München.

Jetzt bist Du schon länger in Deutschland und hast vielleicht auch Kontakt zu anderen Deutschen. Was gefällt Dir an diesem Land?

Deutschland ist für mich und meine Freunde das beste Land. Die anderen arabischen Länder haben sehr viel Geld, haben es aber abgelehnt uns zu helfen, dass wir kommen können. In Deutschland gibt es so viel Hilfe!

Das Problem ist leider, dass es immer wieder schlimme Menschen unter den Flüchtlingen gibt. Du kennst das ja auch aus den Meiden. Das ist schlimm und das macht die Situation für uns in Deutschland nicht einfacher.

Natürlich gibt es überall Arschlöcher. Unter Deutschen, unter amerikanischen Präsidenten aber auch unter Flüchtlingen. „Warum scheren wir eigentlich so gerne über einen Kamm?“, denke ich mir.

Hast Du in Deutschland Schlimmes erlebt? Hat Dich jemand hier beschimpft?

Nein. Ich habe hier keine Probleme bisher. Ich habe viele Freunde in Schongau. Hier in Peißenberg gibt es viele Leute, die sehr gut zu mir sind. Im iku (interkultureller Treff in Peißenberg) helfen sich alle gegenseitig. So etwas gibt es in Schongau leider nicht. In Schongau war ich ja acht Monate allein und habe dort alles allein machen und regeln müssen.

In Schongau warst Du ja in einer Turnhalle. Ganz viele Männer auf einem engen Raum. Da würde ich vermutlich durchdrehen.

Ja, nach einem Monat bin ich leider sehr krank geworden. Ich konnte nicht mehr richtig gehen und brauchte einen Rollstuhl. Mein Arzt meinte es sei eine Form von Rheuma ohne richtig Rheuma zu sein. Das war sehr schwierig. Nun geht es mir aber wieder besser, auch wenn ich jeden Tag 13 Tabletten nehmen muss.

Das kam aber erst in der Turnhalle auf. Nicht einmal in Ingolstadt. Da habe ich jeden Tag Basketball gespielt und Sport gemacht.

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Was glaubst Du, können wir Deutschen von Syrien lernen?

Mir ist aufgefallen, dass man sich wenig grüßt. Ein Beispiel aus Syrien: Wenn man in einen Zug oder einen Bus einsteigt, dann grüßen wir uns, wenn wir uns zu jemanden dazu setzen. Auch wenn wir den anderen nicht kennen. Ich kann verstehen, dass die Menschen mich nicht grüßen, da ich nicht gut Deutsch spreche.

Doch es gibt immer wieder nette Menschen: Als ich von Ingolstadt nach Schongau gebracht wurde, konnte ich kein einziges Wort Deutsch. Da kamen mir schon viele Fragen: Wie komme ich nach Weilheim? Wie komme ich zum Landratsamt? Eine sehr nette Frau in München hat mir geholfen. Sie ist mit mir nach Weilheim gefahren und hat mich zum Landratsamt begleitet. Wir haben uns dann auf Englisch unterhalten, da ich ein wenig Englisch spreche. Ich hatte echtes Glück, dass sie mit mir nach Weilheim gekommen ist.

Vermisst Du bestimmte Lebensmittel oder Dinge, die es in Deutschland nicht gibt?

Nein, ich vermisse nur meine Freunde. Wir halten noch über Facebook und Skype Kontakt. Ich vermisse sie wirklich sehr. Wir haben uns jeden Tag in der Uni getroffen. Morgens um 8.00 Uhr haben wir angefangen zu lernen. Abends war ich dann immer um 19.00 Uhr Zuhause. Wir haben viel Zeit miteinander verbracht – es war fast wie eine eigene Familie. Ich war sehr glücklich. Ich hoffe, dass es das auch so an der LMU in München gibt.

Das hoffe ich für ihn auch. Aber als Student findet man auch heute sicherlich noch schnell Anschluss.

Wie informierst Du Dich über Nachrichten aus Syrien und über Nachrichten in Deutschland?

Ich informiere mich viel bei der DW (Deutschen Welle). Da kann ich Nachrichten auch auf Arabisch hören. Und Nachrichten über Syrien verfolge ich Dank Aljazeera im Netz. Es gibt ein Programm bei der DW, Shababtalk. Der Moderator bringt unter anderem Flüchtlinge und Deutsche zusammen und diskutiert über Gesetze und gesellschaftliche Themen. (Anmerkung: Jaafar Abdul Karim fährt aber auch in arabische Länder und nimmt dort seine Sendung auf. Hier spricht er über Homosexualität, Frauenrechte etc.)

Du besuchst den Integrationskurs in Weilheim. Seit wann gehst Du dort hin?

Ich habe mir erst allein die Sprache über YouTube beigebracht, als ich noch nicht im Integrationskurs war. Im Netz gibt es einen Lehrer, der Deutsch und Arabisch spricht. Somit kann man auch allein gut lernen.

Ich bin dort seit zwei Monaten und lerne täglich an die 40 Vokabeln. Als ich in Schongau krank war, war das für mich sehr schlimm, da ich acht Monate lang nicht gelernt habe. Ich habe viel aufzuholen und will Deutsch lernen. Es ist etwas frustrierend, da mein Freund, mein Bruder und ich gemeinsam angefangen haben und ich durch die Krankheit so einen Rückstand habe.

Mein kleiner Bruder hat schon den A2 Kurs. Ich erlaube mir, ihn auf den Arm zu nehmen, dass sein kleiner Bruder schon besser Deutsch kann. Daraufhin Khaled: jaaaa, aber erst seit zwei Monaten.

Worauf freust Du Dich?

Ich hoffe, dass ich bald so gut Deutsch sprechen kann (mit B2 Abschluss), dass ich anfangen kann zu arbeiten.

Aleppo ist ja eine sehr GROßE Stadt. Peißenberg dagegen klein. Langweilst Du dich hier?

Ja das stimmt, in Aleppo leben über zwei Millionen Einwohner. Die Menschen in Peißenberg sind aber wirklich sehr nett und daher langweile ich mich nicht. Ich bin tagsüber eh im Integrationskurs und lerne abends fleißig. Da hat Langeweile gar keine Chance. In Peißenberg kenne ich daher leider nur den Bahnhof, die Wohnung, Kaufland und die Sparkasse. Ich würde aber gerne wieder Schach spielen.

In Schongau habe ich in der ersten Woche die Stadt kennengelernt und bin viel spazieren gegangen. Hier in Peißenberg kenne ich kaum Menschen.

Ich lade Kahled und seinen Bruder daraufhin ein, mich und meinen Lebensgefährten zu besuchen. Wir feiern mit Freunden, Nachbarn und Bekannten auf unserer Terrasse abends ein, um mit ihnen Glühwein und Kinderpunsch zu trinken. 

Ich bin heute ja hier, da ich einen Strickblog habe. (wenn ich Google Translate vertrauen kann heißt Stricken auf Arabisch: حوك)

Ich erkläre ihm die Aktion und, dass je 10 Euro an syrische Flüchtlingskinder gespendet werden.

WIe findest Du so etwas? Sollte man nicht einfach in die Unterkunft fahren und dort helfen?

Der Schal ist günstig. Das können sich viele Menschen leisten. Sie haben einen Schal und wenn die 10 Euro wirklich an die Aktion geht, ist das am tollsten. Der Schal ist wirklich sehr schön. Vielen Dank!

Strickt man in Syrien auch?

Ja. Meine Mutter strickt. Es ist sehr schwierig. Ich selber kann nicht stricken. Habe es nur einmal probiert. Stricken wird noch als Beruf ausgeübt. Wir importieren kaum bis keine Kleidung aus dem Ausland, sondern stellen Kleidung selber her. Nicht nur Frauen, sondern auch Männer führen den Beruf aus. Allerdings nur wenige.

Machst Du etwas kreatives? Welche Hobbies hast Du?

Ich spiele gerne Basketball und Schach. Und im Internet surfen (lacht). Ich war jetzt seit 20 Tagen nicht mehr bei Facebook. Das ist ein wenig langweilig geworden. Ich gucke aber viele Videos auf YouTube. Da gucke ich mir gerne auch Videos über Chemie an. Auf Deutsch, aber da verstehe ich nicht viel. Es gibt einige Videos der LMU bei denen die Kamera so weit weg ist, dass ich dann nicht viel drauf erkennen kann.

Ich schalte mein Diktiergerät aus und wir unterhalten uns noch weiter. Er erzählt mir, dass seine Lehrerin immer sagt: Das heißt so und so – aber nur in Hamburg und Berlin. Nicht in Bayern. Ich erzähle ihm, dass ich ursprünglich aus Hamburg komme und an der LMU Gehörlosenpädagogik studiert habe. Zwecks Liebe in Bayern geblieben und dann nach Peißenberg gezogen bin. Khaled zeigt mir seine Sprachlern-App und erklärt mir, dass er sich die passenden Artikel mit Hilfe von blauen (der), roten (die) oder grünen (das) Bildern merkt. Wir reden über das Thema Homosexualität und dass es in Syrien für Schwule und Lesben schon vor dem Krieg schwierig war.

Ich zeige ihm meine Seite #1000malwillkommen und sage ihm, dass ich den Kanadischen Premieminister Justin Trudeau für seine warmen Worte und Gesten sehr schätze. Ich zeige ihm das Video, dass ich heute gesehen habe und die Tränen steigen mir in die Augen. Ich weiß nicht, waurum ich erst jetzt weine. Viele Dinge, die mir Khaled erzählt sind schrecklich, aber ich freue mich ihn gesund und froh vor mir haben und zu sehen, dass er seinen Weg geht.

Wir merken kaum, wie die Zeit verfliegt und dass ich schon drei Stunden in seiner Wohnung bin. Ich verabschiede mich von ihm, trete auf die Straße und frage mich, warum es so viele Vorurteile gibt. Warum sprechen wir nicht alle mehr miteinander. Syrer, Deutsche, Männer, Frauen, Schwule, Lesben. 

Um miteinander leben zu können, müssen wir miteinander reden, einander zuhören. Das ist es, was ich mir für 2017 wünsche: dass wir aufeinander zugehen!